Digitale Zapfsäule mit Preisanzeige an einer modernen Tankstelle für die Treibstoffkostenkalkulation.

Günstiger tanken: Wann sich der Umweg wirklich lohnt

Schon 5 Cent Preisunterschied je Liter ergeben bei einer Tankmenge von 40 Litern genau 2 Euro. Ob diese Ersparnis tatsächlich im Portemonnaie bleibt, hängt jedoch von der zusätzlichen Fahrstrecke, dem Verbrauch und dem eigenen Zeitaufwand ab.

Von der Redaktion Idee Butik
Stand: 22. August 2026

Der Literpreis allein zeigt nicht die echte Ersparnis

Kraftstoffpreise können sich im Tagesverlauf sowie zwischen nahe gelegenen Tankstellen unterscheiden. Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beim Bundeskartellamt erfasst Preisänderungen an öffentlichen Tankstellen und stellt diese Daten zugelassenen Verbraucherinformationsdiensten bereit.

Damit lassen sich Preise vor der Fahrt vergleichen. Der niedrigste angezeigte Literpreis ist aber nicht automatisch das günstigste Angebot: Entscheidend ist, wie viel getankt wird und welcher zusätzliche Aufwand für die Fahrt entsteht.

Die erste Rechnung ist einfach:

Preisvorteil je Liter × Tankmenge = Bruttoersparnis

Preisunterschied je Liter Ersparnis bei 40 Litern
2 Cent 0,80 Euro
5 Cent 2,00 Euro
10 Cent 4,00 Euro

Die Tabelle zeigt rechnerische Beispiele, keine aktuellen Durchschnittspreise. Sie beweist auch nicht, dass solche Unterschiede an jedem Wochenende oder an jedem Ort verfügbar sind.

So werden die Kosten des Umwegs berechnet

Für die Nettoersparnis müssen Autofahrer den zusätzlich verbrauchten Kraftstoff abziehen. Dafür werden drei eigene Werte benötigt: zusätzliche Kilometer für Hin- und Rückweg, durchschnittlicher Verbrauch des Autos und aktueller Kraftstoffpreis.

Zusatzkilometer ÷ 100 × Verbrauch je 100 Kilometer × Kraftstoffpreis = Umwegkosten

Ein Beispiel mit bewusst angenommenen Werten: Die günstigere Tankstelle verursacht insgesamt 10 zusätzliche Kilometer. Das Auto verbraucht 7 Liter je 100 Kilometer, für die Rechnung wird ein Kraftstoffpreis von 1,80 Euro je Liter angesetzt.

10 ÷ 100 × 7 × 1,80 Euro = 1,26 Euro Umwegkosten

Günstiger tanken: Wann sich der Umweg wirklich lohnt

Bei 40 Litern und 5 Cent Preisvorteil bleiben von den zunächst errechneten 2 Euro somit nur 0,74 Euro übrig. Zusätzliche Zeit, möglicher Verkehr und Fahrzeugverschleiß sind darin noch nicht berücksichtigt.

Kurze Fahrt, kleine Tankmenge: Der Vorteil schrumpft schnell

Wer nur 20 Liter tankt, spart bei 5 Cent Unterschied lediglich 1 Euro. Derselbe Umweg aus dem Beispiel würde bereits mehr Kraftstoff kosten als der Preisvorteil einbringt. Bei kleinen Tankmengen lohnt sich daher meist nur eine günstigere Station, die direkt auf der ohnehin geplanten Strecke liegt.

Anders kann es bei einer größeren Tankmenge und einem sehr kurzen Umweg aussehen. Bei 50 Litern entsprechen 5 Cent Unterschied 2,50 Euro. Bleiben die Umwegkosten deutlich darunter, entsteht eine reale Ersparnis.

Die persönliche Gewinnschwelle finden

Die entscheidende Frage lautet: Wie weit darf die günstigere Tankstelle entfernt sein, bevor der Preisvorteil verbraucht ist? Dafür kann die Bruttoersparnis durch die Kraftstoffkosten je Kilometer geteilt werden.

Bei 7 Litern Verbrauch und einem angenommenen Preis von 1,80 Euro kostet der Kraftstoff rechnerisch 12,6 Cent je Kilometer. Eine Bruttoersparnis von 2 Euro wäre damit nach knapp 15,9 zusätzlichen Kilometern vollständig aufgebraucht. Zeit und Verschleiß sprechen dafür, deutlich unter dieser Grenze zu bleiben.

Vor dem Losfahren hilft diese kurze Prüfung:

  • Tankmenge realistisch schätzen und nicht mit dem gesamten Tankvolumen rechnen.
  • Preisunterschied mit einer zugelassenen Verbrauchsinformation prüfen.
  • Zusätzliche Strecke für Hin- und Rückweg berücksichtigen.
  • Umwegkosten von der Bruttoersparnis abziehen.
  • Bei wenigen Cent Nettovorteil eine Station entlang der normalen Route bevorzugen.

Verbrauch senken, ohne unrealistische Sparversprechen

Neben dem Preisvergleich beeinflusst auch der Fahrstil die Tankkosten. Ein korrekter Reifendruck nach den Vorgaben des Fahrzeugherstellers kann unnötigen Rollwiderstand vermeiden. Der Druck sollte am kalten Reifen kontrolliert werden; überhöhtes Aufpumpen ist keine sinnvolle Sparmethode und kann Sicherheit sowie Fahrverhalten beeinträchtigen.

Unnötige Last erhöht ebenfalls den Energiebedarf. Schwere Gegenstände, ungenutzte Dachboxen oder Fahrradträger sollten deshalb nicht dauerhaft mitgeführt werden. Wie groß der Effekt ausfällt, hängt vom Fahrzeug, der Geschwindigkeit und der Strecke ab.

Vorausschauendes Fahren, ausreichend Abstand und das frühe Nutzen der Motorbremswirkung können häufiges Beschleunigen und Bremsen reduzieren. Besonders widersinnig wäre es dagegen, für wenige Cent Preisvorteil schnell zur entfernten Tankstelle zu fahren: Höheres Tempo kann den Verbrauch erhöhen und die kalkulierte Ersparnis weiter verkleinern.

Am zuverlässigsten ist die Kombination aus aktuellem Preisvergleich und eigener Kostenrechnung. Liegt die günstige Tankstelle ohnehin auf dem Wochenendweg, bleibt vom Preisvorteil meist mehr übrig als bei einer eigens geplanten Zusatzfahrt.

Quelle: Bundeskartellamt

Kommentare

Noch keine Kommentare. Seien Sie der Erste!

Weitere Geschichten